Fachvortrag: Stellenwert der Bildung in der vietnamesischen Community - verpasste Chancen und neue Möglichkeiten -

Familien- und Gemeinschaftssinn:

Die Ein-und Unterordnung des Einzelnen ist die Basis für die Ordnung der Familie. Als grundlegende Normen gelten der unbedingte Zusammenhalt der Familienmitglieder und die gegenseitige Verankerung und Fürsorge.

Die Familie hat stets unweigerlich den Vorrang und trägt eine wichtige soziale Auffangfunktion. So finden einzelne Vietnamesen in der Familie einerseits persönliche Geborgenheit und Sicherheit, andererseits ist sie aber auch das Zentrum vielschichtiger Pflichten, denen sich das Individuum unterzuordnen hat.

Die strenge Hierarchie innerhalb der Familie bzw. der vietnamesischen Gesellschaft wirkte sich bis in den Bereich der Sprache aus. Je nach dem Altersunterschied ordnet sich der Sprecher in der Familien- oder Gesellschaftshierarchie ein. Es werden die Verhältnisse Vater/Sohn, Ehemann/Ehefrau, Eltern/Kind und Älterer/Jüngerer klar definiert. Stets bleibt sich der Vietnamese seiner jeweiligen Stellung gegenüber dem Gesprächspartner bewusst und wird gleichzeitig daran erinnert, wie er sich als Sohn, Enkel oder als Kunde bei Behörden zu verhalten hat. Diese Strukturen sind keine starren Rollen, wie aus westlicher Sicht angenommen wird.

„Diese verschiedenen Rollen und ihre Beziehung zueinander bestimmen nicht nur die Struktur der Gesellschaft, sondern sind auch Grundbausteine der eigenen Identität. Die Verwirklichung des eigenen Lebens besteht darin, sich in die Harmonie der größeren Ordnung einzufügen.“ (KRUMBIER, 110).